Elternpaar Konflikte lösen
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Trotz aller Verpflichtungen Liebespaar bleiben können

Wir sind nur noch Eltern

Wenn das Paar im Familienalltag verloren geht.

"Wir funktionieren eigentlich gut zusammen.“

 

Dieser Satz fällt bei Elternpaaren häufiger, als man vielleicht vermuten würde.

 

Die Kinder werden versorgt. Termine werden organisiert. 

 

Einer bringt morgens die Kinder weg, der andere holt sie ab. Einkäufe, Arzttermine, Elternabende, Geburtstage, Schule, Kindergarten, Sportverein und all die kleinen Dinge, die zu einem Familienleben gehören, werden irgendwie bewältigt.

Manchmal sogar erstaunlich gut.

 

Und trotzdem sitzt irgendwann ein Paar vor mir und einer von beiden sagt:

„Aber uns gibt es eigentlich gar nicht mehr.“

 

Aus zwei Menschen, die einmal ein Paar waren, ist ein gut eingespieltes Organisationsteam geworden.

Sie sind Mutter und Vater.

Sie tragen Verantwortung.

Sie kümmern sich.

Sie funktionieren.

 

Nur das Liebespaar ist irgendwo auf diesem Weg immer weiter in den Hintergrund geraten.

Mit einem Kind verändert sich nicht nur der Alltag.

 

Wenn ein Kind geboren wird, entsteht nicht einfach eine zusätzliche Aufgabe im Leben eines Paares.

Das gesamte Beziehungssystem verändert sich.

 

Aus einem Paar werden Eltern.

 

Plötzlich gibt es einen Menschen, dessen Bedürfnisse nicht warten können. 

Schlaf verändert sich. Spontaneität verschwindet. Verantwortung wächst. Zeit wird knapper und Entscheidungen, die früher zwei Menschen betroffen haben, müssen nun mit Blick auf ein Kind getroffen werden.

 

Das ist keine Störung der Beziehung.

Es ist eine notwendige Veränderung.

 

Schwierig kann es werden, wenn das Elternpaar immer mehr Raum bekommt und für das Liebespaar kaum noch etwas übrig bleibt.

 

Anfangs fällt das vielleicht gar nicht besonders auf. Gerade mit kleinen Kindern erscheint es selbstverständlich, dass die eigenen Bedürfnisse warten müssen.

 

Aber aus einigen Monaten können Jahre werden.

Dann funktioniert Familie weiterhin.

 

Nur die Partnerschaft bekommt immer weniger Aufmerksamkeit.

Wenn Gespräche nur noch aus Organisation bestehen.

 

Viele Elternpaare sprechen ausgesprochen viel miteinander.

 

„Wer holt morgen die Kinder ab?“

„Hast du an den Elternabend gedacht?“

„Wir brauchen noch Windeln.“

„Kannst du am Donnerstag früher nach Hause kommen?“

„Wer fährt am Wochenende zum Fußball?“

 

Das ist Kommunikation.

Aber es ist überwiegend Organisation.

 

Was zunehmend fehlt, sind andere Fragen.

 

„Wie geht es dir eigentlich?“

„Was beschäftigt dich gerade?“

„Wie geht es dir mit uns?“

„Was fehlt dir?“

„Was wünschst du dir?“

 

Das Problem ist also nicht unbedingt, dass Elternpaare nicht mehr miteinander reden.

Manchmal reden sie den ganzen Tag.

 

Nur kaum noch als Paar.

Mental Load: Wenn einer immer an alles denken muss.

 

Ein häufiges Konfliktthema im Familienalltag ist nicht allein die Menge der sichtbaren Aufgaben.

 

Es ist auch die Verantwortung dafür, an diese Aufgaben überhaupt zu denken.

 

Wer weiß, wann der nächste Elternabend ist?

Wer bemerkt, dass neue Schuhe gebraucht werden?

Wer denkt an das Geschenk für den Kindergeburtstag?

Wer kennt die Telefonnummer des Kinderarztes, organisiert den Termin und weiß anschließend noch, wann die Medikamente gegeben werden müssen?

Wer denkt daran, dass nächste Woche die Schule früher endet?

 

Diese unsichtbare Organisationsarbeit wird häufig als Mental Load beschrieben.

 

Problematisch wird sie besonders dann, wenn einer der Partner das Gefühl entwickelt:

„Ich muss an alles denken.“

 

Der andere sieht möglicherweise etwas völlig anderes:

„Aber ich mache doch auch viel.“

 

Und beide können aus ihrer jeweiligen Perspektive recht haben.

 

Denn die Frage ist nicht nur, wer etwas erledigt.

Es geht auch darum, wer Verantwortung wahrnimmt, plant, erinnert und koordiniert.

 

Wenn diese Unterschiede nicht sichtbar werden, entsteht schnell ein Konflikt um Anerkennung.

Der Streit dreht sich dann scheinbar um eine vergessene Brotdose, einen Termin oder die nicht ausgeräumte Spülmaschine.

 

Darunter liegt vielleicht die wesentlich größere Frage:

„Siehst du eigentlich, was ich jeden Tag für unsere Familie trage?“

"Ich mache doch schon genug.“

 

Auf der anderen Seite kann ein Partner das Gefühl entwickeln, dass sein eigener Einsatz überhaupt nicht mehr gesehen wird.

 

Vielleicht arbeitet er viel.

Vielleicht übernimmt er andere Aufgaben.

Vielleicht versucht er, finanzielle Sicherheit herzustellen.

Vielleicht erledigt er Dinge, die für ihn selbstverständlich zur gemeinsamen Verantwortung gehören.

 

Und trotzdem hört er immer wieder, was noch fehlt.

 

Irgendwann entsteht der Eindruck:

„Egal was ich mache, es ist nie genug.“

Dann treffen zwei Verletzungen aufeinander.

 

Der eine sagt innerlich:

„Ich bin mit allem allein.“

Der andere:

„Niemand sieht, was ich leiste.“

 

Was als Streit über Aufgaben beginnt, wird zu einem Konflikt über Anerkennung, Wertschätzung und Ausgleich.

Genau deshalb lassen sich solche Konflikte nicht immer dadurch lösen, dass man lediglich eine neue Aufgabenliste schreibt.

 

Eine Aufgabenliste kann sinnvoll sein.

Aber sie beantwortet noch nicht die Frage, wie beide ihre Rolle und ihren Beitrag erleben.

Eltern haben unterschiedliche Vorstellungen davon, was richtig ist.

 

Mit Kindern werden außerdem Unterschiede sichtbar, die vorher möglicherweise kaum eine Rolle gespielt haben.

 

Wie konsequent sollten wir sein?

Wie viel dürfen Kinder selbst entscheiden?

Wann müssen Regeln eingehalten werden?

Wie gehen wir mit Wut um?

Wie viel Bildschirmzeit ist in Ordnung?

Was bedeutet gute Erziehung?

 

Wie wichtig sind Ordnung, Leistung, Pünktlichkeit oder Selbstständigkeit?

 

Viele dieser Vorstellungen haben wir nicht bewusst entwickelt.

Wir bringen sie mit.

Aus unserer eigenen Kindheit.

Aus dem, was wir erlebt haben.

Oder manchmal gerade aus dem Wunsch heraus, es vollkommen anders zu machen als unsere eigenen Eltern.

 

Damit treffen in einer Familie nicht nur zwei Erwachsene aufeinander.

Es treffen auch zwei Vorstellungen von Familie aufeinander.

 

Wenn diese Unterschiede nicht verstanden werden, kann aus einer Erziehungsfrage schnell ein Beziehungskonflikt werden.

 

Dann diskutieren die Eltern nicht mehr darüber, welche Regel für das Kind sinnvoll ist.

 

Sie beginnen, die Haltung des anderen infrage zu stellen.

„Du bist viel zu streng.“

„Und du lässt ihnen alles durchgehen.“

 

Plötzlich geht es nicht mehr nur um das Kind.

Es geht um gegenseitige Anerkennung als Mutter oder Vater.

Wenn einer zum „guten“ und der andere zum „strengen“ Elternteil wird.

 

Besonders belastend kann es werden, wenn sich innerhalb der Familie feste Rollen entwickeln.

 

Einer setzt Grenzen.

Der andere tröstet.

Einer fordert.

Der andere vermittelt.

Einer fühlt sich irgendwann als derjenige, der immer „Nein“ sagen muss.

Der andere erlebt sich als denjenigen, der die Stimmung wieder auffangen muss.

 

Kinder reagieren selbstverständlich auf diese Unterschiede.

 

Dadurch können die Rollen noch stärker werden.

Der strengere Elternteil fühlt sich zunehmend allein gelassen.

Der weichere erlebt den anderen zunehmend als hart.

 

Und aus einer unterschiedlichen Erziehungshaltung entsteht ein Konflikt zwischen den Eltern.

 

Deshalb ist es wichtig, solche Fragen nicht mitten in der Situation vor den Kindern auszutragen.

Eltern müssen nicht in allem derselben Meinung sein.

 

Aber sie brauchen einen Rahmen, in dem sie ihre unterschiedlichen Vorstellungen miteinander besprechen und gemeinsame Vereinbarungen treffen können.

Wenn aus dem Liebespaar ein Elternteam wird.

 

Elternschaft braucht Zusammenarbeit. Partnerschaft braucht Begegnung.

 

Dieser Unterschied ist wichtig.

 

Als Elternteam müssen wir organisieren, entscheiden und Verantwortung übernehmen.

 

Als Liebespaar brauchen wir zusätzlich etwas anderes.

Interesse.

Nähe.

Berührung.

Leichtigkeit.

Sexualität.

Gemeinsame Erfahrungen.

Gespräche, die nicht mit Kindern, Haushalt oder Terminen zu tun haben.

 

Das bedeutet nicht, dass Eltern ständig romantische Abende organisieren müssen.

 

Es bedeutet vielmehr, dass die Paarbeziehung einen eigenen Platz behalten sollte.

Wenn dieser Platz dauerhaft verschwindet, kann sich die Wahrnehmung des Partners verändern.

 

Man sieht nicht mehr den Mann oder die Frau, in die man sich einmal verliebt hat.

Man sieht den Vater, der eine Aufgabe vergessen hat.

Oder die Mutter, die schon wieder erschöpft ist.

Man sieht den Menschen zunehmend durch seine Funktion.

 

Und immer weniger als Partner.

Nähe lässt sich nicht einfach in den Kalender schreiben.

 

An diesem Punkt bekommen Paare häufig den Rat:

„Ihr müsst euch wieder mehr Zeit füreinander nehmen.“

 

Grundsätzlich ist das richtig.

Nur reicht es manchmal nicht.

 

Wenn zwischen zwei Menschen bereits Enttäuschungen liegen, verschwinden diese nicht automatisch, weil für Freitagabend „Paarzeit“ im Kalender steht.

Man kann gemeinsam im Restaurant sitzen und trotzdem emotional weit voneinander entfernt sein.

 

Deshalb ist Paarzeit dann besonders wertvoll, wenn sie nicht nur ein Termin ist, sondern wieder Begegnung ermöglicht.

 

Das kann bedeuten, nicht sofort über Organisation zu sprechen.

Das Handy einmal wegzulegen.

Den anderen wieder etwas zu fragen, dessen Antwort man noch nicht kennt.

Oder gemeinsam etwas zu tun, das beiden Freude macht.

 

Nähe braucht Zeit.

Aber Zeit allein erzeugt noch keine Nähe.

Sexualität verändert sich nach der Familiengründung.

 

Auch körperliche Nähe kann sich verändern.

 

Schwangerschaft, Geburt, Schlafmangel, körperliche Veränderungen, Stress und die permanente Verantwortung für ein Kind beeinflussen Sexualität.

 

Hinzu kommt etwas, das leicht übersehen wird:

Wer sich den ganzen Tag um andere Menschen kümmert, möchte abends vielleicht nicht automatisch noch körperliche Nähe.

 

Und wer sich über längere Zeit zurückgewiesen fühlt, beginnt möglicherweise, jede Berührung mit der Hoffnung auf Sexualität zu verbinden.

 

Damit kann selbst Zärtlichkeit unter Druck geraten.

 

Der eine denkt:

„Du willst mich überhaupt nicht mehr.“

 

Der andere:

„Ich kann dich kaum noch berühren, ohne dass daraus eine Erwartung entsteht.“

 

Auch hier entsteht ein Kreislauf.

Deshalb lohnt es sich, körperliche Nähe nicht nur als Frage von Häufigkeit zu betrachten.

 

Wichtiger ist:

Was bedeutet Nähe für jeden von uns?

Was fehlt?

Wo ist Druck entstanden?

 

Und was braucht es, damit Berührung wieder sicher und freiwillig sein kann?

Wenn einer das Gefühl hat, immer an letzter Stelle zu kommen.

 

Kinder brauchen Aufmerksamkeit.

 

Gerade in den ersten Lebensjahren sehr viel davon.

 

Problematisch wird es, wenn ein Partner irgendwann dauerhaft das Gefühl bekommt:

„Für alle anderen ist Platz. Nur für mich nicht.“

 

Das kann beide Seiten betreffen.

 

Ein Partner fühlt sich möglicherweise hinter den Kindern zurückgesetzt.

Der andere erlebt genau diese Aussage als ungerecht:

„Natürlich brauchen die Kinder mich. Du bist erwachsen.“

 

Beides lässt sich nachvollziehen.

Und trotzdem kann sich darin eine wichtige Beziehungserfahrung verbergen.

 

Es geht nicht darum, Partner und Kinder gegeneinander auszuspielen.

Es geht darum, dass auch die Paarbeziehung Zugehörigkeit und Bedeutung braucht.

 

Ein Kind darf wichtig sein.

Und die Partnerschaft darf ebenfalls wichtig bleiben.

 

Das eine muss das andere nicht ausschließen.

Paarzeit ist keine Belohnung nach erledigter Arbeit.

 

Ein Problem vieler Familien besteht darin, dass Beziehung immer dann stattfinden soll, wenn alles andere erledigt ist.

 

Wenn die Kinder schlafen.

Wenn die Küche aufgeräumt ist.

Wenn alle Nachrichten beantwortet sind.

Wenn die Arbeit erledigt ist.

Wenn niemand mehr etwas braucht.

 

Nur kommt dieser Moment häufig nicht. Es gibt immer etwas zu tun.

 

Wenn Paarbeziehung ausschließlich die Restzeit bekommt, wird sie irgendwann tatsächlich zum Rest des gemeinsamen Lebens. Deshalb braucht Beziehung manchmal bewusst reservierte Zeit.

 

Nicht als weitere Pflicht.

 

Sondern als Entscheidung:

„Auch wir gehören zu dieser Familie.“

Jeder braucht neben dem „Wir“ auch ein „Ich“.

 

Gleichzeitig wäre es ein Fehler, Paarzeit zur nächsten Forderung zu machen.

 

Eltern brauchen nicht nur Zeit als Paar. Sie brauchen auch Zeit für sich selbst.

Gerade in Familien entsteht schnell das Gefühl, ständig verfügbar sein zu müssen.

Für die Kinder.

Für den Partner.

Für Arbeit.

Für Haushalt.

Für Familie.

 

Wenn kaum noch Raum für die eigene Person bleibt, steigt die Erschöpfung.

Dann wird selbst der Wunsch des Partners nach gemeinsamer Zeit möglicherweise als weitere Verpflichtung erlebt.

 

Deshalb braucht eine tragfähige Beziehung drei Räume:

Ein Ich.

Ein Du.

Und ein Wir.

 

Keiner dieser Räume sollte dauerhaft verschwinden.

 

Wenn Eltern über Sachthemen Beziehungskonflikte austragen.

 

Ein großer Teil des Familienalltags besteht aus Sachfragen.

 

Wer macht was?

Wann findet etwas statt?

Was darf ein Kind?

Was kostet etwas?

Wer übernimmt Verantwortung?

 

Diese Dinge brauchen klare Vereinbarungen.

Aber manchmal wird über ein Sachthema ein emotionaler Konflikt ausgetragen.

 

Dann geht es scheinbar um den Einkauf.

Tatsächlich geht es um Verlässlichkeit.

 

Es geht scheinbar um die Kinderbetreuung.

Tatsächlich geht es um Anerkennung.

 

Es geht scheinbar darum, wer am Samstag ausschlafen darf.

 

Tatsächlich geht es um die Frage:

„Sind meine Bedürfnisse genauso wichtig wie deine?“

 

Solange diese Ebenen vermischt werden, drehen sich Paare häufig im Kreis.

 

Deshalb trenne ich in meiner Arbeit gerne zwischen sachlichen Absprachen und emotionalen Beziehungsthemen.

 

Beides braucht Raum.

Aber nicht unbedingt im selben Gespräch.

 

Verlässliche Absprachen entlasten Beziehungen.

 

Gerade im Familienalltag können klare Vereinbarungen viel Druck herausnehmen.

 

Wer übernimmt welche Aufgabe?

Bis wann?

Wer muss informiert werden?

Wo werden Termine eingetragen?

Was geschieht, wenn sich etwas verändert?

 

Das klingt wenig romantisch. Aber Verlässlichkeit schafft Sicherheit.

 

Wenn ein Partner nicht ständig nachfragen muss und der andere nicht ständig das Gefühl hat, kontrolliert zu werden, entsteht Entlastung. Sachliche Klarheit kann damit einen sicheren Rahmen schaffen, in dem Beziehung wieder leichter möglich wird.

 

Wichtig ist allerdings, dass Vereinbarungen nicht nur getroffen werden.

Sie müssen auch eingehalten werden.

 

Verlässlichkeit entsteht nicht durch gute Absichten. Sie entsteht durch Erfahrung.

 

Wertschätzung verschwindet im Alltag besonders schnell.

 

Vieles, was Familien jeden Tag leisten, wird irgendwann selbstverständlich.

 

Der Einkauf ist erledigt.

Die Kinder sind versorgt.

Das Auto ist in der Werkstatt gewesen.

Die Wäsche liegt im Schrank.

Der Elternabend wurde besucht.

Das Geld für die Klassenfahrt ist überwiesen.

 

Man bemerkt oft erst, dass etwas getan werden musste, wenn es nicht getan wurde.

 

Damit entsteht ein ungünstiges Verhältnis:

Fehler werden sichtbar.

Einsatz wird selbstverständlich.

 

Auf Dauer kann das eine Beziehung belasten.

 

Wertschätzung bedeutet nicht, sich für jede Kleinigkeit überschwänglich zu bedanken.

Es bedeutet, wahrzunehmen, dass das gemeinsame Leben nicht von selbst funktioniert.

 

Da ist ein anderer Mensch, der ebenfalls trägt.

Vielleicht anders als ich.

Aber nicht unbedingt weniger.

 

Wenn Eltern sich nur noch gegenseitig korrigieren.

 

Unter Stress verändert sich Kommunikation.

 

Gespräche werden kürzer.

Bitten werden zu Anweisungen.

 

Hinweise klingen wie Kritik.

„Denk bitte an die Sportsachen.“

„Warum hast du das noch nicht gemacht?“

„Ich habe dir doch gesagt ...“

„Kannst du nicht einmal ...“

 

Jeder einzelne Satz erscheint vielleicht harmlos.

 

In der Summe kann jedoch eine Atmosphäre entstehen, in der beide das Gefühl haben, überwiegend auf Fehler hingewiesen zu werden.

 

Der Partner wird dann nicht mehr als Verbündeter erlebt.

Sondern als jemand, der kontrolliert, fordert oder kritisiert.

 

An diesem Punkt geht es nicht nur darum, freundlichere Formulierungen zu lernen.

 

Es lohnt sich zu fragen, warum so viel Druck entstanden ist.

 

Wenn alte Verletzungen in den Familienalltag hineinwirken.

 

Nicht jeder Konflikt eines Elternpaares beginnt mit der Geburt der Kinder.

Manche Themen waren vorher bereits vorhanden.

 

Unterschiedliche Vorstellungen von Verantwortung.

Das Gefühl, nicht gesehen zu werden.

Rückzug bei Konflikten.

Schwierigkeiten, Bedürfnisse auszusprechen.

Alte Verletzungen.

 

Mit Kindern werden solche Themen häufig sichtbarer, weil Belastung und Verantwortung steigen.

 

Was vorher irgendwie ausgeglichen werden konnte, funktioniert unter dauerhaftem Stress nicht mehr.

Deshalb reicht es manchmal nicht, nur den Familienalltag besser zu organisieren.

 

Wir müssen verstehen, welche Dynamik zwischen den Partnern bereits entstanden ist und weshalb bestimmte 

Situationen immer wieder dieselben Gefühle auslösen.

 

Kinder spüren Beziehungsspannungen.

 

Eltern müssen ihren Kindern keine konfliktfreie Beziehung vorspielen.

Kinder dürfen erleben, dass Erwachsene unterschiedliche Meinungen haben.

Sie können sogar etwas Wichtiges daraus lernen, wenn sie erleben, dass Konflikte respektvoll geklärt werden.

Belastend wird es eher, wenn Kinder dauerhaft in Spannungen hineingezogen werden.

Wenn sie vermitteln sollen.

Wenn sie Partei ergreifen.

Wenn ein Elternteil über den anderen abgewertet wird.

Oder wenn sie das Gefühl bekommen, für die Stimmung zwischen den Eltern verantwortlich zu sein.

Deshalb ist Paararbeit bei Eltern nie nur eine Frage des Liebespaares.

Ein sicherer und verlässlicher Beziehungsrahmen zwischen den Eltern kann auch für das gesamte Familiensystem bedeutsam sein.

 

Wieder Liebespaar werden bedeutet nicht, die Zeit zurückzudrehen.

 

Viele Paare wünschen sich: „Es soll wieder so sein wie früher.“

 

Ich halte diesen Wunsch für verständlich.

 

Nur ist „früher“ häufig nicht mehr erreichbar. Und vielleicht muss es das auch nicht sein.

 

Sie sind heute andere Menschen.

Sie haben Erfahrungen miteinander gemacht.

Sie haben möglicherweise Kinder bekommen.

Sie haben Krisen bewältigt.

Sie haben sich verändert.

 

Das Ziel kann deshalb nicht darin bestehen, die Beziehung von damals zurückzuholen.

 

Interessanter ist die Frage:

Welche Partnerschaft möchten wir heute miteinander führen?

 

Nicht trotz unserer Familie.

Sondern innerhalb unseres heutigen Lebens.

 

Was Elternpaare selbst ausprobieren können.

 

Beobachten Sie einmal eine Woche lang, worüber Sie miteinander sprechen.

Wie viel davon betrifft Organisation?

Wie viel betrifft Probleme?

Und wie häufig interessieren Sie sich für etwas, das ausschließlich mit Ihrem Partner als Person zu tun hat?

Schauen Sie außerdem auf Ihre Aufgabenverteilung.

Nicht nur darauf, wer etwas erledigt.

Sondern auch darauf, wer daran denken muss.

Sprechen Sie über Belastung, bevor Sie über Schuld sprechen.

Und versuchen Sie, sachliche Absprachen von emotionalen Beziehungsgesprächen zu trennen.

Vielleicht brauchen Sie einen regelmäßigen Termin für Organisation.

Und einen anderen Raum für Ihre Beziehung.

Beides miteinander zu vermischen führt häufig dazu, dass am Ende weder das eine noch das andere wirklich gelingt.

 

Wann kann Paarberatung für Eltern sinnvoll sein?

 

Paarberatung kann sinnvoll sein, wenn Sie merken, dass Sie als Familie funktionieren, sich als Paar aber zunehmend verlieren.

 

Vielleicht drehen sich Ihre Konflikte immer wieder um Aufgaben und Verantwortung.

Vielleicht fühlt sich einer mit dem Mental Load allein.

Vielleicht haben Sie unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung.

Vielleicht ist körperliche oder emotionale Nähe verloren gegangen.

Oder Sie stellen fest, dass Sie kaum noch wissen, was den anderen außerhalb seiner Rolle als Mutter oder Vater bewegt.

 

In meiner Arbeit schauen wir zunächst darauf, wie Ihr gemeinsames System heute funktioniert.

 

Welche Rollen haben sich entwickelt?

Wo entstehen Verletzungen?

Welche Erwartungen sind unausgesprochen geblieben?

Welche Vereinbarungen fehlen?

Was braucht jeder für sich?

Und was braucht Ihre Beziehung?

 

Dabei geht es nicht darum, ein bestimmtes Familienmodell vorzugeben.

Es geht darum, einen Rahmen zu entwickeln, der zu Ihnen und Ihrer Familie passt und in dem beide Partner wieder als Menschen und nicht ausschließlich in ihrer Funktion als Eltern vorkommen.

 

Paarberatung für Elternpaare in Wittmund und Ostfriesland.

 

Ich begleite Elternpaare in meiner Praxis in Wittmund sowie online, wenn Alltag, Kinder und Verantwortung die Beziehung zunehmend bestimmen und das Gefühl entstanden ist, als Paar kaum noch vorzukommen.

 

Dabei verbinde ich systemische Paarberatung, Coaching und Mediation.

Wir betrachten sowohl die emotionale Beziehungsebene als auch die notwendigen sachlichen Vereinbarungen im Familienalltag.

 

Denn beides gehört zusammen.

 

Eine Familie braucht Verlässlichkeit und Struktur.

Eine Partnerschaft braucht zusätzlich Nähe, Wertschätzung und Verbindung.

 

Das Ziel besteht nicht darin, perfekte Eltern oder ein perfektes Paar zu werden.

Es geht darum, wieder einen Beziehungsrahmen zu schaffen, in dem Ich, Du und Wir nebeneinander bestehen können.

Häufige Fragen von Elternpaaren

 

Ist es normal, dass die Partnerschaft nach der Geburt eines Kindes leidet?

 

Die Geburt eines Kindes verändert Rollen, Zeit, Verantwortung, Schlaf und häufig auch Sexualität. Dass sich die Paarbeziehung dadurch verändert, ist zunächst normal. Problematisch kann es werden, wenn beide über längere Zeit keinen Weg finden, neben der Elternrolle wieder als Paar miteinander in Kontakt zu kommen.

 

Warum streiten wir seit den Kindern viel häufiger?

 

Mit Kindern steigen Verantwortung, Zeitdruck und organisatorische Anforderungen. Gleichzeitig werden unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung, Aufgabenverteilung und Familie sichtbarer. Unter Belastung können außerdem bereits vorhandene Konfliktmuster stärker hervortreten.

 

Was können wir tun, wenn einer den gesamten Mental Load trägt?

 

Zunächst sollte sichtbar gemacht werden, welche Aufgaben tatsächlich anfallen und wer nicht nur die Ausführung, sondern auch Planung und Verantwortung übernimmt. Anschließend können konkrete Zuständigkeiten vereinbart werden. Gleichzeitig sollte Raum dafür bestehen, wie beide die bisherige Verteilung erlebt haben.

 

Wie können wir wieder mehr Paar und weniger nur Eltern sein?

 

Paarbeziehung braucht einen eigenen Raum. Das kann bewusste Paarzeit bedeuten, aber auch kleine Momente von Interesse, Berührung und Gespräch im Alltag. Wichtig ist, dass gemeinsame Zeit nicht ausschließlich der Familienorganisation dient.

 

Wie viel Paarzeit brauchen Eltern?

 

Dafür gibt es keine allgemeingültige Zahl. Entscheidend ist weniger die Menge als die Frage, ob beide ausreichend Verbindung erleben. Ein regelmäßiger geschützter Raum kann dabei hilfreicher sein als seltene große Unternehmungen.

 

Was tun, wenn wir bei der Erziehung völlig unterschiedlicher Meinung sind?

 

Unterschiedliche Auffassungen sind zunächst kein Problem. Wichtig ist, dass Eltern ihre Vorstellungen außerhalb akuter Situationen besprechen und versuchen, gemeinsame Regeln zu entwickeln. Kinder sollten möglichst nicht zum Austragungsort des Konflikts zwischen den Eltern werden.

 

Warum haben wir seit den Kindern kaum noch Sex?

 

Elternschaft kann Sexualität durch Schlafmangel, Stress, körperliche Veränderungen, fehlende Zeit und unterschiedliche Bedürfnisse beeinflussen. Häufig lohnt sich zusätzlich ein Blick auf die emotionale Beziehung: Wie verbunden fühlen sich beide und welcher Druck hat sich möglicherweise rund um körperliche Nähe entwickelt?

 

Kann Paarberatung helfen, wenn wir uns nur noch als Eltern erleben?

 

Ja, Paarberatung kann einen Rahmen schaffen, in dem neben den organisatorischen Fragen wieder die Beziehung selbst betrachtet wird. Dabei kann geklärt werden, wie die Distanz entstanden ist, welche Bedürfnisse beide haben und welche Veränderungen im Alltag und auf der Beziehungsebene möglich sind.

 

Ihre Kinder brauchen Eltern. Und Sie dürfen trotzdem ein Paar bleiben.

 

Elternschaft verändert eine Beziehung.

 

Sie fordert Zeit, Kraft, Geduld und Verantwortung.

Und manchmal so viel davon, dass zwei Menschen irgendwann vergessen, dass ihre gemeinsame Geschichte nicht mit der Organisation einer Familie begonnen hat.

 

Da waren einmal zwei Menschen.

Mit Interesse aneinander.

Mit Gesprächen, Berührungen, gemeinsamen Ideen und dem Wunsch, einen Teil ihres Lebens miteinander zu verbringen.

 

Diese Menschen verschwinden nicht automatisch, wenn sie Eltern werden.

Aber sie können im Alltag schwerer erreichbar werden.

 

Vielleicht geht es deshalb nicht darum, weniger Mutter oder Vater zu sein.

Vielleicht geht es darum, neben diesen wichtigen Rollen wieder Platz für etwas anderes zu schaffen.

 

Für mich.

Für dich.

Und für uns.

 

Wenn Sie sich in dieser Beschreibung wiedererkennen und das Gefühl haben, als Eltern gut zu funktionieren, sich als Paar aber zunehmend verloren zu haben, können wir in einem kostenlosen und unverbindlichen Erstgespräch gemeinsam auf Ihre Situation schauen.

 

Stephan Schulz
SystemEmpowerer
Systemischer Coach und Mediator
Paarberatung, Coaching & Mediation in Wittmund, Ostfriesland und online

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