Paarberatung Wittmund – Konflikte in Beziehungen verstehen und lösen

Wenn zwei sich trennen und viele Abschied nehmen müssen

Es gibt Abende, an denen mich meine Gedanken noch lange begleiten.

Nicht, weil ich eine schwierige Beratung hatte oder weil ich nach einer Mediation noch nach einer Lösung suche. Sondern weil mich manche Geschichten auch dann nicht loslassen, wenn das Gespräch längst vorbei ist.

Solche Abende kennen wir doch irgendwie alle.

Das Haus wird langsam ruhig. Irgendwo tickt eine Uhr. Das Glas auf dem Tisch ist fast leer und plötzlich fangen die Gedanken an, sich ihren eigenen Weg zu suchen.

In solchen Momenten denke ich manchmal und gerade jetzt aus gegebenen Anlass, darüber nach, was eine Trennung eigentlich wirklich bedeutet.

Nicht aus der Sicht eines Paarberaters oder Mediators.

Sondern einfach als Mensch.

Wir sprechen oft davon, dass zwei Menschen sich trennen. Dass eine Beziehung endet. Dass jeder nun seinen eigenen Weg geht.

Und jedes Mal frage ich mich, ob das wirklich die ganze Geschichte ist. Ich glaube nämlich, dass eine Trennung selten nur zwei Menschen betrifft. Sie zieht leise Kreise. Wie ein Stein, der ins Wasser fällt.

Zuerst sieht man nur den kleinen Einschlag. Doch kurz darauf breiten sich immer mehr Wellen immer weiter aus. Sie erreichen Menschen, die gar nicht im Mittelpunkt standen und die dennoch spüren, dass sich etwas verändert hat.

Da sind dann Eltern, die einen Menschen verabschieden, den sie längst nicht mehr nur als Partner ihres Kindes gesehen haben. Da sind Geschwister, die jemanden verlieren, mit dem sie gelacht, gefeiert und Erinnerungen gesammelt haben. Und da sind vielleicht Freunde, die plötzlich gefühlt zwischen zwei Menschen stehen, die sie beide gern haben.

Und oft spricht niemand über ihren Schmerz.

Vielleicht, weil alle denken dass das nicht richtig wäre. Schließlich sind sie ja nicht diejenigen, die sich getrennt haben.

Aber Gefühle fragen nicht nach Berechtigungen. Sie entstehen dort, wo Verbindung, Zuneigung und Liebe entstanden ist.

Und genau das vergessen wir manchmal.

Eine Beziehung beginnt zwar zwischen zwei Menschen, aber wenn sie über Jahre wächst, wächst sie nie nur zwischen diesen beiden.

Sie wächst in Familien hinein, in Freundeskreise und in gemeinsame Erinnerungen.

Fast unbemerkt entsteht etwas, das mehr ist als die Partnerschaft zwischen den beiden.

Ich glaube, das jeder diesen Moment kennt.

Beim ersten Besuch sitzt da noch der neue Freund oder die neue Freundin und in paar Monaten oder Jahre später deckt niemand mehr einen zusätzlichen Teller.

Man deckt wie selbstverständlich einfach den Tisch. Weil dieser Mensch längst dazugehört.

Nicht weil das so beschlossen wurde, sondern durch das Leben und eine unbewusste Selbstverständlichkeit.

Und genau deshalb fühlt sich eine Trennung manchmal an, als würde jemand ein Kapitel aus einem Buch herausnehmen, das man selbst mitgeschrieben hat.

Und plötzlich wird es anders.

Dieses unbewusst erlebte Selbstverständnis verändern sich und ein vertrauter Name fällt immer seltener und verblasst.

Nicht mit einem lauten Knall, eher wie ein Lied, das langsam leiser wird.

Ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl.

Sie freuen sich, wenn ihre Kinder glücklich sind, sie öffnen ihre Tür und ihr Herz gleich mit.

Und irgendwann merken sie, dass sie nicht nur den Partner ihres Kindes lieb gewonnen haben.

Sondern den Menschen dahinter.

Mit all seinen Eigenheiten, seinem Lachen, seiner Art den Leben zu begegnen, seinen Geschichten.

Und wenn dieser Mensch eines Tages nicht mehr kommt, entsteht etwas, worüber kaum jemand spricht.

Traurigkeit.

Nicht, weil man die Entscheidung seines eigenen Kindes nicht akzeptiert.

Sondern weil man einen Menschen vermisst den man lieb gewonnen hat.

Vielleicht ist das einer der Gedanken, die mich in den letzten Monaten besonders beschäftigt haben.

Wir leben in einer Zeit, in der wir glauben, es liesse sich alles lösen wenn man nur will und Gefühle müssten logisch sein. Sind sie aber nicht.

Wir können eine Entscheidung verstehen und trotzdem darunter leiden.

Wir können wissen, dass zwei Menschen nicht mehr zueinander passen und uns dennoch wünschen, das Leben hätte einen anderen Weg gefunden.

Beides darf gleichzeitig da sein, das eine hebt das andere nicht auf.

Vielleicht ist genau das die eigentliche Stärke.

Nicht keine Traurigkeit mehr zu empfinden.

Sondern ihr einen Platz zu geben, ohne dass sie uns bitter macht sondern dankbar.

Je länger ich Menschen begleite, desto mehr verändert sich mein Blick auf Beziehungen.

Früher dachte ich oft in Kategorien von Gelingen und Scheitern, heute tue ich das nicht mehr.

Denn ich habe Paare erlebt, die fünfzig Jahre zusammen geblieben sind und nie wirklich glücklich wurden. Und ich habe Menschen begleitet, deren gemeinsamer Weg nach vielen Jahren endete und die trotzdem voller Dankbarkeit auf diese Zeit zurückblicken konnten.

Seitdem glaube ich, dass die Dauer einer Beziehung nur wenig darüber erzählt, wie wertvoll sie war.

Manche Menschen begleiten uns ein Leben lang, andere nur einige Jahre. Aber beide können Spuren hinterlassen, die für immer bleiben.

Vielleicht besteht die eigentliche Kunst des Lebens gar nicht darin, alles festhalten zu können. Vielleicht besteht sie darin, das Gute gehen lassen zu können, ohne dass es dadurch seinen Wert verliert.

Ich weiß nicht, ob es einen richtigen Abschied gibt. Ich glaube nur, dass jeder Mensch, den wir ehrlich geliebt oder ins Herz geschlossen haben, immer ein Teil unserer Geschichte bleibt.

Nicht als Schmerz, sondern irgendwann als Erinnerung, als Dankbarkeit, als leises Lächeln.

Und vielleicht ist genau das die schönste Form des Loslassens.

Nicht zu vergessen, sondern mit Frieden zurückzuschauen auf etwas das gut war und sich auch jetzt noch so anfühlen darf.

Wenn du diese Zeilen heute liest und gerade selbst Abschied nehmen musst, dann wünsche ich dir genau diesen Frieden.

Nicht heute, vielleicht auch noch nicht morgen.

Aber irgendwann.

Weil jeder Mensch, der unser Leben bereichert hat, seinen Platz behalten darf.

Auch dann, wenn die gemeinsame Reise zu Ende gegangen ist.

Denn manche Menschen verlassen unser Leben.

Unsere gemeinsame Geschichte und unsere Erinnerungen verlassen sie nie.

Author

Stephan Schulz

SystemEmpowerer

Coach & Mediator

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